Blog 03. Okt. 2023

Standortanalyse im Franchise

Die Standortanalyse: Den besten Standort für das Franchise finden

 

Franchisegeber übernehmen oftmals die Standortanalyse für ihre Franchisenehmer, obwohl dies nicht verpflichtend ist. Dennoch wird diese Leistung häufig im Franchisevertrag festgehalten und immer wieder auch kostenlos angeboten. Hintergrund ist, dass es auch für den Franchisegeber ein Vorteil sein kann, den bestmöglichen Standort für ein neues Ladengeschäft oder Büro zu finden, da dies den Umsatz des Franchisenehmers maßgeblich beeinflussen kann.

 

Standortanalyse mit Haftungsfragen verbunden

 

Mit Blick auf mögliche Haftungsfragen sollten sich Franchisegeber gut überlegen, ob sie die Standortanalyse übernehmen wollen. Aus diesem Grund entscheiden sich Franchisegeber oftmals lediglich dafür, Unterstützung anzubieten, aber nicht die komplette Standortanalyse zu übernehmen. Alternativ legen Franchisegeber bestimmte Kriterien für die Standortwahl fest.

Entscheidet sich der Franchisegeber für eine Standortanalyse, so haftet er für die Richtigkeit der Analyse sowie des Ergebnisses. Dies gilt auch, wenn er lediglich die Analyse abschließend bewertet. Wenn ein Berater hinzugezogen wird, der die Standortsuche übernimmt und für diese Aufgabe versichert ist, so muss der Franchisegeber darauf achten, dass dieser vom Franchisenehmer beauftragt wird. Ansonsten kann der Berater rechtlich gesehen als eine Art „Erfüllungsgehilfe“ des Franchisegebers betrachtet werden. Hinzu kommt, dass der Standort in der Regel Teil des Vertrags ist. Daher kann der Vertrag erst dann unterzeichnet werden, wenn der passende Standort gefunden wurde.

 

Standortanalyse kann entscheidend für Erfolg sein

 

Generell ist eine Standortanalyse aber eine gute Grundlage für eine fundierte Entscheidung. Dabei werden unter anderem Faktoren wie der Bedarf, die Kaufkraft und der Wettbewerb vor Ort einbezogen. Auch die örtliche Infrastruktur sowie wirtschaftliche Faktoren sollten betrachtet werden. Zudem kann eine Standortanalyse direkt mit einer Marktanalyse verbunden werden.

Die Art und Weise, wie sich Franchisegeber in die Standortsuche im jeweiligen Vertriebsgebiet einbringen, ist sehr unterschiedlich. Einige geben lediglich eine Checkliste heraus, andere arbeiten intern mit erfahrenen Immobilienexperten zusammen. Diese übernehmen dann auch Besichtigungen vor Ort oder verhandeln mit Vermietern. Gerade bei Franchisemodellen, bei denen die Standortfrage von zentraler Bedeutung ist, sollte sich der Franchisegeber jedoch auf die eine oder andere Art und Weise einbringen.

Das Ziel ist es, dem neuen Franchisenehmer eine Prognose an die Hand zu geben, wie sich sein Geschäft entwickeln kann. Dies kann auch Teil eines Businessplans sein und bei Gesprächen mit Banken einen Vorteil bringen. Gerade bei Ladengeschäften in Innenstädten können Faktoren wie die Bevölkerungsstruktur, die Kaufkraft der Kunden sowie die Verkehrsanbindung entscheidend sein.

 

Unterschiedliche Herangehensweisen

 

Wie eine Standortanalyse in der Praxis durchgeführt wird, kann sehr unterschiedlich sein. Sie kann mit ersten Gedanken zur Zielgruppe beginnen. Hierzu gehören die Kaufkraft und das Konsumverhalten der gewünschten Kunden. Zudem kann es einen Unterschied machen, ob ein Unternehmer eher mit Stammkunden oder Laufkundschaft zusammenarbeitet.

Für ein Franchise im Bereich Einzelhandel spielt der Standort eine andere Rolle als bei einem Handwerksbetrieb. Hier spielen beispielsweise logistische Aspekte und die Infrastruktur eine größere Rolle. Daher legen viele Franchisegeber Kriterien fest, beispielsweise mit Blick auf die Lage. Bei einem neuen Büro kommt es etwa auf Faktoren wie schnelles Internet oder ausreichend Parkplätze an.

Ein weiterer Baustein ist die Wettbewerbssituation. Gibt es in der direkten Umgebung bereits einige ähnliche Geschäfte oder gibt es im Umfeld keine Konkurrenten? Franchisegeber legen häufig zudem ein bestimmtes Einzugsgebiet fest. Ein Franchisenehmer ist dann für eine Region zuständig, ein weiterer für die Nachbarregion. Und natürlich gibt es bei der Wahl des besten Standorts auch regionale Besonderheiten zu beachten. Wurde ein geeigneter Standort gefunden, so geht es im nächsten Schritt um Themen wie die Höhe der Miete oder mögliche behördliche Genehmigungen.

Aus vielen der im Rahmen der Standortanalyse gewonnen Informationen lässt sich eine Prognose für den gewählten Standort erarbeiten. Hier geht es nicht nur um Umsatzprognosen, sondern auch darum, ob in Zukunft Veränderungen, beispielsweise durch geplante Baumaßnahmen in der Umgebung, denkbar sind.

 

Weiche und harte Faktoren beachten

Eine Vorgehensweise bei der Standortanalyse unterscheidet zwischen harten und weichen Faktoren. Harte Faktoren umfassen beispielsweise die Verkehrsanbindung, die zu zahlenden Steuern und den Zustand des Gebäudes. Hier können klare Zahlen und Daten vorgelegt werden. Weiche Faktoren beziehen sich beispielsweise auf die Wohnqualität in der Gegend und sind weniger gut zu messen. Diese spielen aber beispielsweise dann eine Rolle, wenn es darum geht, hochqualifizierte Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen.

Eine weitere Herangehensweise ist, dass der Franchisegeber einen Vorschlag für einen geeigneten Standort erhält, beispielsweise durch den zukünftigen Franchisenehmer oder einen Immobilienmakler. Nun prüft der Franchisegeber, ob der vorgeschlagene Standort geeignet ist, beispielsweise über Standardfaktoren wie der Kaufkraft vor Ort. Bei der gegenteiligen Herangehensweise gibt es bereits definierte Kriterien, anhand derer ein guter Standort in der ausgewählten Stadt oder Gemeinde gesucht wird.

Generell sollten Franchisegeber und Franchisenehmer auf Aspekte wie

  • die Zahl der möglichen Kunden am Standort
  • mögliche Konkurrenten vor Ort
  • die Höhe der Mieten
  • die Höhe der Gewerbesteuer in der gewählten Gemeinde und
  • die Verkehrsanbindung

achten. Je nach Geschäftsmodell und Branche kann auch die Frage aufkommen, ob es vor Ort ausreichend gut qualifizierte Arbeitskräfte gibt.

 

Wer ist eigentlich für die Standortanalyse zuständig?

 

Dies ist durchaus ein Streitpunkt im Franchise. Hartnäckig hält sich der Mythos, dass diese eine der Pflichten des Franchisegebers sei. Dies geht auf einige Gerichtsurteile zurück, die fehlinterpretiert wurden. Darüber hinaus gab es bereits Fälle, in denen Franchisenehmer, die über ihre Umsätze enttäuscht waren, ihre Franchisegeber mit Verweis auf eine mangelhafte Standortanalyse verklagt haben. Eine klare Regelung im Franchisevertrag ist daher ratsam. Zudem sollte bei spezifischen Fragen ein Fachanwalt herangezogen werden.

Es liegt in der Verantwortung des Franchisenehmers, sich selbst umfassend über die Chancen und Risiken eines möglichen Standorts zu informieren, unabhängig davon, wie viel Unterstützung der Franchisegeber anbietet. Allerdings muss der Franchisegeber in der Regel den gewählten Standort genehmigen. Aus diesem Grund sollte sich auch der Franchisegeber gut informieren und einen Standort, der offensichtlich nicht geeignet ist, ablehnen. Häufig helfen bei der Einschätzung, ob ein Standort geeignet ist oder nicht, auch Erfahrungswerte anderer Franchisenehmer weiter.

Franchisegeber machen oftmals Vorgaben zur Einrichtung des Geschäfts oder Bürogebäudes. Daher sollten beide Seiten prüfen, ob das gewählte Gebäude mit Blick auf die Inneneinrichtung, die Anzahl der Räume und der Fläche geeignet ist, um diese Vorgaben korrekt umzusetzen. Im Übrigen gilt es zu beachten, dass manche Gewerbeflächen nicht für jede Nutzungsart zugelassen sind. In einigen Städten und Gemeinden gibt es Vorgaben, dass auf der gewählten Fläche kein Franchise-Unternehmen der jeweiligen Branche eröffnet werden darf. Im Zweifel gibt das zuständige Bauamt hierüber Auskunft.

 

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